Improvisationstheater meets Change: Mitarbeiter für Neues gewinnen am 8.2.2018

@ VDMA

Was ist nötig, um sich auf Neues einlassen zu können und sich ins Ungewisse zu wagen? Was da zusammen wirkt, konnten die Teilnehmer beim Impro-Change-Workshop direkt selbst erfahren. Wie schon in den vorausgegangenen Workshops mit Carola Feller und Jens Clausen ging es auch diesmal mit der erprobten Mischung aus Impro-Theater und Experten-wissen an das große Thema Changeprozesse. Was es heißt, sich auf Neues einzulassen, darum drehten sich mehrere Sequenzen aus dem Impro-Theater.

Die Teilnehmer reflektierten im gemeinsamen Austausch ihre eigenen Erfahrungen. Carola Feller reicherte die Diskussion an mit dem Stand der Psychologie und den Grundlagen der Hirnforschung: Welche Mechanismen wirken? Was bewirkt, dass Menschen die Bereitschaft zeigen, sich auf Neues einzulassen? Denn scheinbar ist Veränderung ein grundlegendes, sozusagen anthropologisches Thema. Das Unbekannte und Neue stellt für Menschen eine besondere Herausforderung dar. Auf Bekanntes zurückzugreifen ist eine grundlegende Strategie des Gehirns. So wählt das Gehirn oft das Vorgehen, welches es schon beherrscht oder welches bisher funktioniert hat. Es ist gleichzeitig die Fähigkeit, Muster zu erkennen um dadurch die Welt erklärbar und berechenbar zu machen und rechtfertigt den Rückgriff auf Erfahrungen. Dem gegenüber bestand immer die evolutionäre Anforderung, sich an veränderte Umwelten anzupassen, abgebildet in der ungeheuren Modulationsfähigkeit des menschlichen Gehirns. Es ist jederzeit in der Lage, neue Verknüpfungen zu legen und sich je nach Gebrauch zu verändern. Ganz praktisch bedeutet dies, dass wir Neuem oder Ungewissem zunächst mit einen gewissen "Nein" begegnen. Und dieses „Nein“ ist in der Regel ein weitgehend unbewußter Vorgang.

Wer es nicht glauben wollte, konnte es selbst im Workshop erfahren. „Diese Erkenntnis ist vielleicht zunächst eine Kränkung, glaubt doch jeder Mensch, die rationale Kontrolle über sich zu besitzen, aber es ist nicht unvernünftig, die Rolle des Unbewußten anzuerkennen“ so Carola Feller. Und das erklärt auch, warum mit der Bereitschaft sich auf Neues einzulassen sehr viel mehr zusammenhängt als die faktische Annahme des Neues. In Changeprozessen spielen Status, Sicherheitsgefühl, Autonomie, Zugehörigkeit und Fairness subjektiv eine Rolle. Sich auf Neues einzulassen, ist in diesem Licht eine große Leistung. Und es ist hilfreich, dies bei der Steuerung von Changeprozessen im Kopf zu haben. Das Ideal eines Changeprozesses ist, dass alle mitmachen und sich dabei aktiv einbringen.

Im Impro-Theater konnten die Teilnehmer aber erfahren, wie schwierig es ist, die Vorstellungen eines Dialogpartners aufzunehmen und gleichzeitig sein eigenes Ziel zu erreichen. „Ich wollte zum Mittelmeer und wir sind im Zoo gelandet“. Auch wenn hier die Beschreibung der Improvisation banal klingt. Es entspann sich eine angeregte Diskussion um die Rolle der Beteiligung in Changeprozessen. Wer seine Mitarbeiter aktiv an Veränderungsprozessen beteiligen will, sollte sich der Voraussetzungen und Konsequenzen dieses Prozesses klar sein. Beteiligung - wenn sie gewünscht ist - erhöht zum Beispiel den „Aufwand“ an Kommunikation, um das Ziel zu erreichen.

Was wenn die Zukunft aber unberechenbarer und komplexer wird, also die "Ungewissheit" aller Beteiligten zunimmt? Welche Strategien wirken in solchen Szenarien? Dazu konnte im letzten Teil des Worhshops der Bogen vom Impro-Theater zu den Erkenntnissen der

"Effectuation"-Forschung geschlagen werden. Effectuation bietet Prinzipen an, wie man trotz Ungewissheit produktiv bleibt, die sich konkret im Improvisationstheater nachvollziehen lassen. Am Ende des Tages war die Zeit zu kurz: so erhielten die Teilnehmerinnen immerhin noch einen Ausblick darauf, wie man trotz vieler Ungewissheiten produktiv bleibt.

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